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Priggen
- so nennt der Bremer jene seltsamen Tiere, die auf den ersten Blick
wie Aale aussehen und doch, bei genauer Betrachtung sich als völlig
andere Organismen herausstellen. Neunaugen gehören nicht zu den Fischen,
ja nicht einmal zu den Wirbeltieren, da sie kein Skelett besitzen,
sondern eine Röhre, die ihnen Stabilität verleiht. Anstelle eines
Kiefers verfügen sie über eine mit Zähnen bewehrte runde Mundscheibe,
die es ihnen erlaubt sich an Beutetiere anzusaugen, von deren
Körperflüssigkeit sie sich ernähren.
Die ca.
30 cm langen Flussneunaugen verbringen den überwiegenden Teil ihres
Lebens in den küstennahen Meeresgebieten und wandern zur Fortpflanzung
aus dem Meer die Flüsse hinauf. In großen Schwärmen laichen die
erwachsenen Tiere im April in Flüssen und Bächen der Barben- und der
Äschenregion. Die Eier werden über Sand und feinem Kies abgelegt. Die
Larven verbringen die ersten 3 bis 5 Jahre in sauberen, leicht
durchströmten Sedimenten der Gewässer. Nach dieser Zeit wandern die
Jungfische in die küstennahen Bereiche der Meere ab.
Historisch kamen die Flussneunaugen in nahezu allen größeren
Fließgewässern im Einzugsgebiet der Weser und Werra vor. Mit der
intensiven Nutzung und der damit einhergehenden Verschmutzung der
Gewässer und dem Verbau der Wanderwege gingen die Bestände dramatisch
zurück. Heute ist die Art im Einzugssystem der Werra ausgestorben. Im
Bereich der Aller gibt es kleinere Populationen, die sich positiv
entwickeln. Die Optimierung der Durchgängigkeit ist daher ein wichtiger
Baustein, neben der Verbesserung der Wasserqualität, um eine Ausbreitung
der Art im Wesereinzugsgebiet bis in die Werra zu ermöglichen.
Das
Flussneunauge war 1988 Fisch des Jahres. |

Foto: Frank Schreiber |